Landsknecht (Kartenspiel)

Auszug: Card Game Rules – Pagat.com

Von John McLeod

Datum der Veröffentlichung: 2013

Übersetzt von Inga H.

 

Einleitung

Landsknecht ist ein sehr einfaches Kartenspiel, welches zu den ältesten Kartenspielen gezählt wird. Der Name stammt von einem deutschen mittelalterlichen Söldner ab. In den USA wird eine Variante davon immer noch gespielt, die auch unter dem Namen Skin bekannt ist. Eine andere Spielvariante stellt Zecchinetta dar, welche in Sizilien und in anderen Städten Italiens zum Einsatz kommt. All diese Spiele gehören in die Kategorie Glücksspiele. Die Bank ist im Besitz einer Karte und alle anderen Spieler haben eine oder mehrere Karten mit verschiedenen Rangfolgen. Der Banker deckt nacheinander weitere Karten auf. Passt eine Karte der Spieler zu der aufgedeckten Karte, so verliert der Banker. Falls die Bankerkarte übereinstimmt, verliert der Banker alle Spieler, deren Karten noch nicht abgeglichen wurden

 

Landsknecht

Die Spielbezeichnung findet ihren Ursprung in der französischen Spielversion im 19. Jahrhundert.

Spieler und Karten

Um dieses Spiel zu spielen, benötigt es an mindestens 2 Spielern. Es gibt keine Einschränkung bzgl. der Obergrenze der Spieleranzahl. Man verwendet traditionell  ungefähr sechs Standard-52-Karten Sets, die zusammengemischt werden. Genauso gut könnte mit einem einzelnen 52-Karten Pack gespielt werden. Die Farben der Karten sind irrelevant und es gibt keine besondere Reihenfolge. Wichtig ist, dass die gleiche Anzahl an Karten für jeden Rang vorhanden ist.

Der Deal, die Einsätze und das Spiel

Am Spielanfang spielen die Spieler um die Entscheidung, wer der erste Dealer sein darf. Der Dealer mischt die Karten. Der Spieler links von Ihm hebt den Kartenhaufen und stellt ihn mit dem Gesicht nach unten vor den Dealer. Der Dealer, der gleichzeitig auch der Banker ist, tätigt ebenso seinen Spieleinsatz. Im Anschluss setzen die restlichen Spieler im Gegenuhrzeigersinn, beginnend rechts vom Bankier, ihre Einsätze, deren Gesamtbetrag nicht höher sein darf als der Bankier Einsatz. Die Spieler können zwischen folgenden Optionen wählen:

  1. Es kann ein Einsatz gesetzt werden, der dem gesamten Einsatz des Bankers entspricht.
  2. Es kann ein Einsatz gesetzt werden, der niedriger ist als der Einsatz des Bankiers ist.  Die Summe der Einsätze der Spieler sollte nicht höher als der Einsatz des Bankiers sein.
  3. Passieren und keinen Einsatz machen.

Dies wird für so viele Runden wie nötig fortgesetzt

  1. Jemand legt einen Betrag fest, der dem gesamten Einsatz des Bankers entspricht. In diesem Fall ziehen alle anderen Spieler ihre Einsätze zurück und das Spiel wird fortgesetzt.
  2. Der Gesamteinsatz der Spieler entspricht dem Einsatz des Bankers.
  3. Alle Spieler passen, keiner möchte seinen Einsatz erhöhen.

Der Dealer dreht die obersten zwei Karten des Haufens um. Die erste Karte ist die Karte des Bankers. Diese liegt mit der Gesichtsseite nach oben auf der linken Seite des Dealers. Die zweite ist die Spielerkarte, die rechts vom Kartengeber platziert wird. Wenn diese beiden Karten gleichrangig sind, gewinnt der Dealer sofort alle Einsätze der Spieler.

Wenn die Bank- und Spielerkarten ungleich sind, deckt der Banker weitere Karten nacheinander auf, bis eine Karte, die einer der ersten beiden Karten entspricht, erscheint. Die Farbe wird hierbei ignoriert. Wenn die Bankerkarte übereinstimmt, gewinnt der Bankier alle Einsätze der Spieler. Wenn die Karte des Spielers übereinstimmt, muss der Banker jedem Spieler den Betrag auszahlen, den dieser Spieler gesetzt hat.

 

Das Übergeben der Bank

Wenn der Banker verliert, muss die Bank dem nächsten Spieler der Reihe nach übergeben werden. Dieser entscheidet erneut, wie viel er auf das nächste Spiel setzen möchte. Normalerweise wird die Bank nach rechts übergeben, aber wenn die Bank an einen anderen Spieler "verkauft" wurde (siehe unten), geht sie an den Spieler rechts vom ursprünglichen Besitzer dieser Bank über.
Wenn der Banker gewinnt, kann der Banker entscheiden, ob er die Bank  behalten möchte oder freiwillig weiter gibt. Wenn der Banker beschließt, die Bank zu behalten, gibt es zwei Fälle:

  • Falls der Banker gewinnt, indem er die Karte des Bankers vor der Karte des Spielers abgleicht, müssen diese Gewinne dem vorherigen Einsatz des Bankers hinzugefügt werden, falls der neue Einsatz getätigt werden möchte.
  • Falls der Bankier gewonnen hat, weil die Bank- und die Spielerkarten gleich waren, hat der Bankier die Möglichkeit, die Gewinne dem Banker-Einsatz hinzuzufügen oder diese Gewinne aus dem Spiel zurückzuziehen.

Gibt der Banker die Bank nach dem Gewinn freiwillig weiter, so kann jedem anderem Spieler der Kauf der Bank angeboten werden. Der Käufer muss eine Beteiligung in Höhe des Betrags aufbringen, den der Banker hätte aufwenden müssen, falls er die Bank behalten hätte. Wenn mehrere Personen die Bank kaufen möchten, hat der Spieler, der der rechten Seite des Händlers am nächsten ist, Vorrang. Wenn niemand die Bank kaufen möchte, geht sie an den Spieler rechts vom ursprünglichen Inhaber dieser Bank über. Er kann wählen, wie groß der Einsatz für die nächste Transaktion sein soll.
Ein Spieler, der die Bank gekauft hat, kann entscheiden, ob er sie nach einem oder mehreren Gewinnen erneut behält oder ob er sie an einen Spieler "verkaufen" möchte. Dieser sollte bereit sein, den erforderlichen Betrag zu setzen. Eine Bank kann bis zu dreimal verkauft werden, aber der vierte Inhaber kann sie nicht erneut verkaufen. Wenn dieser vierte Banker entscheidet, dass die Bank nach dem Gewinn weitergegeben wird,  kehrt diese zum Spieler rechts oder zum ursprünglichen Besitzer zurück.

 

Skin

Dieses Spiel wird mit einem einzelnen 52-Karten-Standardpaket. Im Idealfall spielen 6 Spieler. Die Verteilung der Karten erfolgt aus einer Box, um das Schummeln zu erschweren. Das erste aufkommende Ass, entscheidet, wer die Funktion des Bankers übernimmt. Nachdem jeder Spieler einmal abgehoben hat, werden die Karten erneut in die Box gelegt. Der Banker teilt dem ersten Spieler von rechts die oberste Karte zu. Dieser Spieler kann die Karte akzeptieren, wenn er darauf wetten  möchte. In diesem Falls nicht, wird sie dem nächsten Spieler rechts usw. gegen den Uhrzeigersinn angeboten, bis die Karte akzeptiert wird. Wenn jeder Spieler diese Karte ablehnt, wird sie als neue Karte offen in die Mitte des Tisches gelegt. Nun wird die nächste Karte aus der Schachtel den Spielern nacheinander angeboten.

Wenn ein Spieler eine Karte angenommen hat, legt der Bankier nun eine weitere Karte aus der Schachtel ab. Diese Karte ist die Bankkarte und sollte  nicht identisch mit der Karte des Spielers sein. Sollte die Karte einem der Spieler entsprechen. So werden die übereinstimmenden Karten abgeworfen. Alle Karten dieses Ranges sind nun „tot“. Im Anschluss wird der gesamte Vorgang erneut mit einer neuen Karte wiederholt. Wenn ein Spieler und der Banker verschiedene Karten haben, muss der Spieler seinen maximalen Betrag angeben, welchen er auf die erste Karte setzen möchte. Dies kann ein beliebiger Betrag sein. Der Banker muss nicht die gesamte Wette akzeptieren. Der Banker schlägt dem Spieler einen Einsatz vor, welcher in gleicher Höhe liegt oder weniger beträgt. Der Spieler kann diesem übereinstimmen, so dass der Banker und der Spieler dieselben Wettbeträge platzieren. Ein ähnliches Verfahren wird für alle zukünftigen Wetten verwendet. Der Dealer legt nun weitere Karten von oben nach unten ab. Es gibt fünf Möglichkeiten:

  1. Die neue Karte entspricht der Karte eines Spielers. Der betroffene Spieler verliert, der Dealer sammelt die Einsätze der Karte ein. Nun wird die Karte des Spielers verworfen und Karten dieses Ranges sind nun außer Spielbetrieb.
  2. Die neue Karte entspricht der Karte des Dealers. Der Dealer verliert alle Wetten und alle Spieler gewinnen die Einsätze ihrer eigenen Karten.
  3. Die neue Karte ist eine neue Karte, ein Rang, der noch nicht ausgeteilt wurde. Der Dealer bietet die Karte dem nächsten Spieler von rechts an.  Dieser Spieler kann die Karte akzeptieren und darauf  wetten oder er kann die Karte auch ablehnen. In diesem Fall wird die Karte allen anderen Spielern angeboten, die noch keine Karten haben. Wenn niemand die Karte akzeptiert oder wenn alle Spieler bereits eine Karte im Spiel haben, wird die neue Karte in die Mitte des Tisches gelegt. Sie wird zu einem späteren Zeitpunkt benutzt.
  4. Die neue Karte entspricht einer Karte in der Mitte des Tisches, die niemandem gehört (kein Spieler hat darauf gewettet). Die zwei Karten werden verworfen und Karten dieses Ranges sind jetzt außer Spielbetrieb ( „tot“).
  5. Die neue Karte ist tot, weil zwei Karten des gleichen Ranges bereits erschienen sind. Die tote Karte wird abgeworfen und die nächste Karte wird ausgeteilt.

Wann immer ein Spieler eine Karte angenommen hat, kann der Spieler, nachdem er gegen den Dealer gewettet hat, auch Seitenwetten gegen andere Spieler vorschlagen. Der neue Spieler schlägt eine Wette vor und der andere Spieler akzeptiert alle, keine oder nur einen Teil der Wetten.  Diese Nebenwetten werden von den Karten ferngehalten, um sie nicht mit Wetten gegen den Banker zu mischen. Es ist nicht möglich, eine Nebenwette auf eine Karte vorzuschlagen, ohne zuerst auf diese Karte gegen den Bankier gewettet zu haben. Wenn die Karte eines Spielers übereinstimmt, verliert der Spieler nicht nur den Geber, sondern auch alle Nebenwetten gegen Spieler, deren Karten noch im Spiel sind.
Wenn sich Karten in der Mitte des Tisches befinden, ist ein Spieler, der verliert, berechtigt, eine dieser Karten an sich zu nehmen. Er kann gegen den Kartengeber wetten und Nebenwetten gegen andere Spieler anbieten.
Wenn die Karten des Dealers übereinstimmen, während es zwischen den Spielern ungelöste Nebenwetten gibt, teilt der Dealer weitere Karten aus. Der Dealer kann die nächste neue Karte nehmen, welche als neue Bankerkarte ausgegeben wird. Die Spieler, die Karten besitzen können gegen diese Karte wetten, sind aber nicht dazu verpflichtet. Alternativ kann der Dealer weiterhin ohne eine Karte handeln, um die verbleibenden Nebenwetten zwischen den Spielern zu klären.

 

Zecchinetta

Zecchinetta ist das italienische Gegenstück zu Landsknecht, welches in mehreren Versionen existiert. Etliche italienische Bücher beschreiben ein Spiel, das dem französischen Landsknecht sehr ähnlich ist, mit einer Karte für den Bankier und einer für die Spieler. In der üblicheren Version, die besonders mit Sizilien in Verbindung gebracht wird, wetten die Spieler darauf, dass ihre Karten vor der Bankerkarte nicht übereinstimmen. Es unterscheidet sich von Skin darin, dass zwei Karten anfänglich für die Spieler ausgeteilt werden und dass jeder Spieler auf eine der Karten des Spielers wetten kann. Zecchinetta genießt einen ziemlich schlechten Ruf. Aus diesem Grund wird es ungern an öffentlichen Orten in Italien gespielt. Oft wird es nur auf privaten Veranstaltungen gespielt.  Oft wirrd nur um geringe Einsätze gespielt, da es heutzutage als soziales Glücksspiel angesehen wird.  In den USA wird es oft von Amerikanern mit italienischer Herkunft gespielt.  Hier ist es unter dem Namen Ziginette bekannt. Traditionell wird es mit einem italienischen 40-Karten-Set  ohne 10er, 9er oder 8er gespielt. . In Italien werden manchmal lateinische  Karten für dieses Spiel verwendet. Das Spiel wird entgegen den Uhrzeigersinn gespielt.